Tyroshin

Klassifizierung:Fictional Language
Conlangerin:Mira Valentin
Entstehungsjahr:2023
Einflüsse:Englisch, Altnordisch
Verwendung:High-Fantasy-Saga „Andorin“
Sprachraum:Andorin
Sprecher*innen:Ein Stern
Schriftsystem:Latein
Bekannte Wörter:200

Das Projekt

Mira Valentins neuste High-Fantasy-Saga „Andorin“ entführt uns in eine Welt, in der drei verfeindete Völker denselben Gott anbeten, seine Worte aber ganz unterschiedlich übersetzen. So kommt es schließlich zum Krieg, da jedes Volk die eigene Deutung als die Richtige ansieht.

Kantige Charaktere, eine gute Portion Humor und eine tiefgründige, weitausgebaute Welt – das zeichnet „Andorin“ aus. Aber für Realitätsflucht ist nur bedingt Platz, da die Probleme dieser Welt fast deckungsgleich sind mit unserer und Mira Valentin nicht davor zurückschreckt, ein scharfes Licht auf religiösen Fanatismus und seine Auswirkungen zu werfen.

Der Sprachraum

Schauplatz der Handlung ist der namensgebende Kontinent Andorin, der sich aus den drei Ländern Ilvenor, Manjaka und Nyota zusammensetzt. Jede Kultur ist verschieden, aber alle drei verehren den selben Gott. Während Ilvenor und Manjaka eher westlich geprägt sind, ist Nyota inspiriert von ostasiatischen Ländern, insbesondere von der japanischen Kultur. Hier heißt die Sprache des Sterns außerdem Kamigengo.

Die Sprecher*innen

Der einzige Muttersprachler des Tyroshin ist die Gottheit selbst, ein vom Himmel gefallener Stern. Die Menschen in Andorin sprechen ihre eigenen Sprachen und haben mit Tyroshin wenig Berührungspunkte. Einzig die Prophet*innen und Priester*innen erlernen durch hartes Studium die Sprache ihres Gottes.

Einer dieser Propheten ist Uther, ein geachteter Gelehrter und Meister im Übersetzen der Worte seines Gottes – zumindest nach außen hin. Denn mittlerweile ist es viele Jahre her, seit der Himmelsgott zuletzt zu seinen Propheten gesprochen hat, und Uthers Kenntnisse des Tyroshin sind nicht mehr so, wie sie mal waren. Als nun der Stern nach langem Schweigen seine Stimme wieder erhebt, fällt es Uther schwer, die Worte seines Gottes richtig zu deuten. Doch der alte Mann würde eher eine falsche Übersetzung präsentieren, als zuzugeben, dass er seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen ist …

Die Namen

Die Ilvener*innen haben ein elfenhaftes Äußeres, weshalb der Name dieses Volkes ebenfalls an das Wort „Elfen“ (Ilven) angelehnt ist, um bei den Leser*innen direkt die entsprechende Assoziation zu wecken. Der Name Manjaka entstand ohne tiefgehende Bedeutung, der Klang gefiel der Autorin einfach gut. Nyota schließlich ist ein weiblicher Vorname aus dem Suaheli und bedeutet „Stern“ – somit spielt der Name auf die Gottheit an, die von dem Volk verehrt wird. Auch die lautliche Ähnlichkeit zu sino-tibetischen und altaischen Sprachen war für Mira Valentin ein Grund, diesen Namen für das Land zu wählen.


Handschriftliche Prophezeiung des Propheten Uther aus Mira Valentins „Andorin 1“, gestaltet von Eleonore Laubenstein. Schriftart angelehnt an Kurrent/Sütterlin.

Besonderheiten

Phonologie

Tyroshin sollte einen flüsternden, zischenden Klang aufweisen, weshalb bewusst in erster Linie Frikative (Reibelaute, z.B. /f/, /s/) als Konsonanten gewählt wurden. Auch auf die Vokale /a/ und /u/ wurde gezielt verzichtet, um einen möglichst „scharfen“ Klang in der Sprache beizubehalten. Die Sprache klingt daher am besten, wenn man sie flüstert.

Grammatik

Da die Worte des Gottes bewusst Ambiguitäten zulassen und von den Propheten zum Teil auch falsch übersetzt werden sollten, weist die Sprache keine Verbkonjugation auf. Somit können Person und Numerus – anders als z.B. im Deutschen – nicht direkt am Verb abgelesen werden.

Nominaler Plural wird durch einen Langvokal markiert: vir ‚Mann‘ – viir ‚Männer‘.

Die einzige Präposition im Tyroshin ist s‘-. Diese wird dem Nomen vorangestellt und in der Regel nur durch den Kontext erschlossen: S’Chellesh hat so, je nach Kontext, beispielsweise die Bedeutung ‚im Haus‘, ‚am Haus‘ oder ‚zum Haus‘.


Zur Autorin

Mira Valentin ist eine bekannte Fantasy-Autorin und entwickelte für ihre neuste Buchreihe „Andorin“ eine eigene Sprache. Auf ihrer Website mira-valentin.de erhalten Abonnent*innen ihres Newsletters Zugang zu exklusivem Bonusmaterial. Außerdem ist sie auch auf Instagram aktiv und teilt dort Einblicke in ihren Arbeitsprozess und gibt Tipps für angehende Autor*innen.

In ihren bisherigen Buchprojekten spielten fiktive Sprachen bisher nur eine nebensächliche Rolle. Einzelne Sätze mit ausgedachten Wörtern, die keinem System folgten, reichten da vollkommen aus. Für „Andorin“ war jedoch die Sprache der Gottheit plotrelevant, sodass eine logisch aufgebaute Sprache mit eigener Grammatik und festgelegtem Vokabular notwendig wurde. Im Conlanging-für-Autor*innen-Kurs entwickelte sie so ihre erste eigene Sprache Tyroshin und stellte fest, wie schnell durch die Definition von Wortarten und verschiedenen grammatischen Kategorien ein solches Sprachsystem erstellt werden kann.